Mittwoch, 20. Oktober 2004 Lokalsport

Jürgen Detscher (66) ist vom unsportlichen Kaufmann innerhalb kürzester Zeit zum Dauersportler geworden.
Zu dem Fitnesswettkampf gehören zwölf verschiedene Übungen aus dem Studio.
Elmshorn (pg). Jürgen Detscher aus Elmshorn ist am Ziel seiner Träume angekommen. Der 66jährige gewann in Zürich bei den Weltmeisterschaften im Strenflex-Fitnesswettbewerb den Titel in der Kategorie IV (60+). Detscher, der erst seit wenigen Jahren intensiv Sport betreibt, holte in den insgesamt zehn Übungen 210,5 Punkte und lag damit deutlich vor dem zweitplazierten Peter Beutel (167 Punkte), der auch sein einziger Konkurrent war. Bankdrücken, Kniebeugen mit Gewichten, Umsetzen und Stossen, Dips, Liegestützen, später Seilspringen und ein Intervall-Parcour, waren Aufgaben, die die Teilnehmer absolvieren mussten. Insgesamt waren es zwölf Übungen.
Dabei war bis vor zwei Jahren Sport noch im Wortschatz von Jürgen Detscher praktisch nicht vorhanden. „Sport? Das habe ich während meines Berufslebens nicht gemacht. Wenn mir das einer gesagt hätte, du sollst das tun, hätte ich das nicht für möglich gehalten", sagt er. Geschwommen sei er früher, so von acht bis zwölf, erinnert sich Detscher.
Als kaufmännischer Angestellter in Hamburg hatte der Elmshorner mitunter von sechs Uhr morgens bis halb acht Uhr abends gearbeitet und mit anderen Mitarbeitern manchmal tagelang Rohrzucker aus Kuba verladen müssen. Jeder Sack wog 118 Kilogramm. Das war schwere körperliche Arbeit. Irgendwann, erinnert sich Detscher, habe sich der Körper zu melden begonnen. „Ich hatte im Jahr vier bis fünf Mal einen Hexenschuss. Der ist in einer Sekunde da, und dann braucht es sechs Wochen, bis die Schmerzen weg sind."
Doch es sollte nicht allein dabei bleiben. „Ich hatte irgendwann so massive Rückenprobleme, dass ich kaum aus dem Auto oder aus den Schuhen steigen konnte."
Als Detscher schließlich zu einer Kur geschickt wurde, bedeutet das eine Wende in seinem Leben und leitete Teil zwei seiner Sportbiografie ein. Dort stand viel Bewegung auf dem Programm. „Die Übungen haben mir gut getan und ich habe die Ratschläge auch danach befolgt."
Heute weiss er, dass sich die Mühen und der Wunsch, jeden Tag einmal zu schwitzen, gelohnt haben. So fährt Detscher mittlerweile auch Rad: eine 30-Kilometer-Runde, wo die Uhr Partner und Gegner in einem sei, wie er sagt. Oder er schlüpft in seine Inlineskates, seinen Belohnungssport, wie er es nennt. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass mir der Sport helfen würde. Aber ich habe Rückenmuskulatur aufgebaut, habe gelernt, richtig aufzustehen. Heute habe ich keine Befürchtungen mehr, einen Hexenschuss zu bekommen, obwohl ich zuletzt eigenhändig einen Wintergarten gebaut habe", erzählt Detscher.